
Ich male, seit ich denken kann, schon im Kindergarten hatte ich ständig den Pinsel in der Hand. Gedeckte Farben fand ich langweilig, ich wollte immer das Bunte, Kräftige, und das ist bis heute so geblieben. Studiert habe ich Informatik, zuhause bin ich aber in der Kunst, für mich schließt sich das nicht aus.
Künstlerin zu werden war nie eine bewusste Entscheidung, das hat sich einfach so ergeben. Am Anfang stand nur der Pinsel in der Hand, Farbe auf dem Papier, und dieses Gefühl, wenn gerade etwas entsteht, was vorher noch nicht da war.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich Malen für mich nie wie Arbeit angefühlt hat. Es war schon immer der Ort, an dem ich einfach machen konnte, ohne mir groß Gedanken zu machen.
Meine ersten Bilder waren fast alle Acryl. Acryl ist schnell und direkt, genau wie ich damals war, ungeduldig. Ein Strich saß sofort, eine Idee war in ein paar Minuten fertig.
Seit 2020 male ich auch mit Öl, und mittlerweile ist es mein liebstes Material. Öl hat mich gezwungen, langsamer zu werden. Die Farbe trocknet nicht so schnell, ich kann sie verschieben, nochmal überarbeiten, mir alles nochmal anders überlegen. Zwei ziemlich unterschiedliche Materialien, aber irgendwie sprechen sie für mich dieselbe Sprache.
Am meisten inspiriert mich Berlin, mit allem was dazugehört. Die Widersprüche, die Energie, die vielen verschiedenen Gesichter der Stadt, das taucht immer wieder in meinen Bildern auf.
Berlin ist für mich nie nur eine Farbe, sondern Neonlicht und Backstein, Beton und Graffiti, laute Nächte und ruhige, frühe Morgen. Genau diese Mischung aus hart und schön will ich auf die Leinwand bringen.
Am Ende will ich nie einfach die Realität abmalen. Es geht mir darum, ein Gefühl festzuhalten, bevor es wieder weg ist. Jedes Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt von dem, was gerade in mir los ist. Deswegen ist Malen für mich auch keine Gewohnheit, das brauche ich einfach.
Wie würdest du deinen Malstil in drei Worten beschreiben?
Bunt, abstrakt, Gesichter. Kürzer krieg ich das eigentlich nicht zusammengefasst, aber ehrlich gesagt steckt da schon fast alles drin, was meine Bilder ausmacht.
Gibt es ein Ritual oder eine feste Angewohnheit, bevor oder während du malst?
Bei mir muss es ordentlich sein, bevor ich anfange. In einem chaotischen Atelier kann ich nicht malen, in meinem Kopf ist sowieso schon genug los, da brauch ich wenigstens um mich herum Ruhe und Ordnung.
Woran merkst du, dass ein Bild fertig ist?
Für mich ist ein Bild fertig, wenn die schwarzen Outlines sitzen und mir die Farben gefallen. Klingt simpel, ist aber tatsächlich mein Maßstab, wenn beides passt, ist Schluss.
Was war die ungewöhnlichste Sache, die dich mal zu einem Bild inspiriert hat?
Ich musste mal über 15 Minuten an der U-Bahn-Station Samariterstraße in Berlin warten und hab mir dabei jede einzelne Kachel an der Wand angeschaut. Am nächsten Tag hab ich direkt das U-Bahn-Schild mit den Kacheln gemalt, so fangen bei mir manchmal die Bilder an.
Läuft bei dir Musik, wenn du malst?
Meistens laufen bei mir eher Dokus oder Hörbücher im Hintergrund. Beim Malen kann ich mir das Gesagte irgendwie besser merken als sonst.
Wie hat sich dein Stil über die Jahre verändert?
Mein Stil hat sich vor allem bei den Gesichtern verändert, die wirken inzwischen lebendiger und nicht mehr so kubistisch wie am Anfang.
Was möchtest du, dass Menschen fühlen, wenn sie vor einem deiner Bilder stehen?
Ich bin schon froh, wenn Leute überhaupt etwas fühlen oder eine Emotion beim Betrachten haben. Jeder legt seine eigene Geschichte in meine Bilder rein, und genau das finde ich total spannend.
Motto?
Übermalen geht immer.